Kulturverein50 Jahre Thassitische Hochzeit – 2026
Veröffentlicht
13. August 2026
Theologos, Thassos, 13. August 2026
Pressemitteilung
Fünfzig Jahre Verein «Hatzigiorgis», fünfzig Jahre Thassitische Hochzeit
Über tausend Besucher bei der überaus gelungenen Jubiläumsaufführung des Brauchs in Theologos — Goldmedaille des Thasischen Herakles für den Verein von der Gemeinde Thassos und ein offenes Gespräch darüber, was ein qualitätsvoller Tourismus auf der Insel wirklich braucht
Mit über tausend Besuchern, nach Schätzung der Veranstalter, hat der Bildungs- und Kulturverein «Hatzigiorgis» am Mittwoch, dem 12. August, in Theologos die Thassitische Hochzeit wieder aufleben lassen. Die Kopfsteinpflastergassen des Dorfes füllten sich schon am frühen Abend, und für einige Stunden funktionierte der Ort so, wie er vor einem Jahrhundert funktioniert hat.
Die Aufführung richtet sich an Einheimische wie an Gäste, sie ist aber nicht nur Schauspiel — sie ist Überlieferung: die Stationen der traditionellen Hochzeit, die Trachten, die Lieder und die Tänze, die einst das ganze Dorf auswendig kannte und die heute nur noch wenige bewahren. Die Tanzgruppe des Vereins hält einen Faden, der beim Damen- und Mädchenverein der 1960er Jahre beginnt und bei den ersten Tonaufnahmen thassitischer Lieder. Sechzig Jahre später erklangen dieselben Lieder erneut — aus Kindermund.
Dem Jubiläum verlieh eine Ehrung ihr Siegel. Der Bürgermeister von Thassos, Herr Kyriakidis, überreichte dem Verein die Goldmedaille des Thasischen Herakles und würdigte damit dessen wegweisende Rolle im gesellschaftlichen und kulturellen Leben der Insel.
Der Abend blieb jedoch nicht in der Vergangenheit. In seiner Rede sprach der Vorsitzende des Vereins, Herr Karantelos, etwas aus, das man auf einem Fest selten hört: eine Kritik daran, was aus der Kultur auf unseren Inseln geworden ist.
«Das Fest ist nicht die Kultur. Es ist die Feier der Kultur. Es ist der Kranz, nicht die Wurzel. Die Frage ist nicht, wie viele Menschen gekommen sind — sondern was am Tag danach geblieben ist.»
Dieser Punkt betrifft Thassos unmittelbar. Ein Reiseziel unterscheidet sich nicht durch Sonne, Strände und Feste; die haben alle. Es unterscheidet sich durch Tiefe — dadurch, inwieweit die Geschichte des Ortes tatsächlich mit dem verbunden ist, was dem Gast als touristische Leistung angeboten wird. Ein instand gesetzter Wanderweg, ein Museum, das geöffnet hat, ein Brauch, der aufgezeichnet wurde, bevor er verschwand, ein regionales Produkt mit Namen und Geschichte: Das bleibt, wenn die Lichter ausgehen und die Tische abgeräumt sind.
Der Verein hat sich in diesen Jahrzehnten nicht auf Veranstaltungen beschränkt. Er betreibt das Volkskundemuseum im Herrenhaus «Hatzigiorgis» von 1813, eine Leihbibliothek, das Kulturzentrum und vieles mehr. All diese Arbeiten halten die Geschichte und das Gedächtnis des Ortes lebendig und zeigen, wie sich die Gesellschaft der Insel entwickelt hat.
Wenn der gestrige Abend über die Bilder hinaus etwas hinterlassen hat, dann vielleicht dies: dass ein Kulturverein nicht auf den Zuschuss wartet, um sich zu bewegen. Er gestaltet, er arbeitet zusammen, er entwirft Visionen — und wenn es sein muss, fordert er ein.
Der Verein dankt den Sponsoren, den Tanzgruppen der beteiligten Vereine, den anwesenden Vereinen und allen offiziellen Gästen. Und vor allem den Dutzenden Freiwilligen, die getragen, gebacken und aufgeräumt haben.
